
Eine Person interessiert sich für dein Unternehmen. Doch statt wie früher Google für die Informationssuche zu nutzen und sich durch deine liebevoll gestaltete Karriereseite zu klicken, tippt sie direkt in ChatGPT, Gemini oder Claude:
«Welche Kultur erwartet mich bei [Unternehmen] wirklich? Gibt es Hinweise auf eine toxische Arbeitsatmosphäre oder eine schlechte Work-Life-Balance?»
Die KI scannt in Sekundenschnelle das gesamte Netz: deine Webseite, Kununu-Bewertungen, Fachforen, Medienberichte sowie Social Media Beiträge und liefert eine fertige Zusammenfassung. Die interessierte Person liest die Antwort und entscheidet: Bewerbung oder Abbruch? Und das, ohne je einen einzigen Klick auf deiner Karriereseite hinterlassen zu haben.
Da die Antwort bereits auf der Suchoberfläche der KI steht, gibt es für die Person keinen Grund mehr, deine Website zu besuchen, um an Infos zu kommen. Dieser Vorgang nennen wir im Marketing «Zero-Click-Verhalten». Es zwingt uns im Personalmarketing zu einem neuen Ansatz: Generative Engine Optimisation, kurz GEO.
Das Ziel von GEO ist simpel: Inhalte so aufzubereiten, dass KI-Systeme sie lesen, verstehen und als vertrauenswürdige Antwort weitergeben. Wie du dafür sorgst, dass ChatGPT und Co. dich als Top-Arbeitgeber empfehlen, erfährst du in diesem Beitrag.
In der HR-Bubble kursieren wilde Prognosen über den Untergang der klassischen Google-Suche. Ein Blick auf aktuelle Daten der Wisdom-Studie zeigt ein differenziertes Bild:
Interessant sind auch die folgenden Unterschiede:
Was bedeutet das für dich konkret? Die klassische Websuche stirbt nicht aus, aber sie bekommt einen neuen Partner. Deine Inhalte müssen so aufbereitet sein, dass KI-Modelle sie fehlerfrei lesen, verknüpfen und als vertrauenswürdige Antwort ausgeben können. Wer das ignoriert, verliert die Kontrolle darüber, wie das eigene Unternehmen wahrgenommen wird.
Warum nutzen Kandidat:innen überhaupt KI für die Recherche? Hinter den Suchanfragen steckt ein faszinierendes psychologisches Muster.
Nur 30 % der Anfragen drehen sich um positive Aspekte wie Purpose, Wertegemeinschaft oder persönliche Entwicklung.
Der Grund liegt auf der Hand: Im Vorstellungsgespräch stellen die wenigsten kritische Fragen. Der KI stellen sie diese hingegen vollkommen offen.
Dein Unternehmen kommuniziert auf der Karriereseite eine «offene Fehlerkultur». Auf Kununu ist hingegen die Rede von einer «Angstkultur». Die KI rechnet das zusammen und deckt diesen Widerspruch gnadenlos auf. Sie spiegelt diese Diskrepanz in ihrer Antwort und potenzielle Bewerbende ziehen daraus ihre eigenen Schlüsse.
Was die KI am Ende ausspuckt, ist die Summe aus der Selbstdarstellung und der ungeschönten Fremdwahrnehmung im Netz. Die gute Nachricht: Beides lässt sich zu deinen Gunsten beeinflussen.
Da KI-Systeme das gesamte digitale Bild deines Unternehmens widerspiegeln – also auch Social Media und externe Plattformen wie Kununu – hast du keine absolute Kontrolle mehr darüber, wie deine Marke gespiegelt wird. Deine eigenen digitalen Signale kannst du aber gezielt stärken.
Stell dir selbst die unbequemen Fragen, bevor es die Talente tun.
Versetze dich in die Rolle eines Kandidaten oder einer Kandidatin. Befrage die gängigen KI-Modelle (ChatGPT, Gemini, Perplexity) direkt zu deinem Unternehmen. Nutze bewusst defensive Fragestellungen:
Wo weichen die KI-Antworten von eurer gelebten Realität ab? Wo greift die KI auf veraltete Informationen zurück? Diese Lücken sind deine Ansatzpunkte.
💡 Pro-Tipp: Achte bei den Antworten auf die Quellenangaben der KI. Woher hat die KI diese Notiere die wichtigsten Quellen, die zitiert werden. Das sind die Plattformen, die du ab jetzt priorisiert pflegen musst.
KI-Modelle ignorieren vage Marketingphrasen. Sie können damit wenig anfangen und suchen sich die fehlende Definition auf externen Plattformen. Konkrete Fakten hingegen werden aufgenommen und weitergegeben.
Der Unterschied: Der erste Satz klingt gut, sagt aber nichts aus. Der zweite ist konkret, ehrlich und gibt der KI etwas, das sie zitieren kann.
KI-Systeme belohnen Konsistenz und registrieren Widersprüche. Wenn eure Karriereseite einen unkomplizierten Umgang verspricht, die Stelleninserate aber stark hierarchisch formuliert sind und Drittplattformen ein anderes Bild zeichnen, stuft die KI eure Inhalte als weniger glaubwürdig ein.
Bring deshalb HR, Marketing, Talent Acquisition, Employer Branding sowie Führungskräfte an einen Tisch, mit dem Ziel, Kernbotschaften plattformübergreifend aufeinander abzustimmen.
Externe Signale spielen für die KI-Suche eine gewaltige Rolle. Echtes Mitarbeiter-Feedback auf Plattformen wie LinkedIn oder Fachforen gewinnt dadurch an neuer Bedeutung. Baue gezielt ein Netzwerk von Corporate Ambassadors/Markenbotschaftern auf, die authentische Einblicke in den Arbeitsalltag teilen – auf ihre eigene Art, in ihrer eigenen Sprache.
Je mehr konsistente, echte Stimmen im digitalen Raum existieren, desto stabiler und glaubwürdiger wird das Gesamtbild, das die KI am Ende für Talente zusammenbaut.
Die Karriereseite verliert ihr Monopol als zentraler Berührungspunkt in der Candidate Journey. Sie wird im KI-Zeitalter zu etwas Neuem. Quasi zu einer offiziellen Datenbank. Wenn die KI im Netz widersprüchliche Infos über dein Unternehmen findet, gleicht sie diese mit deiner Website ab. Wer also heute lernt, seine Arbeitgebermarke KI-ready zu machen – und die brennenden Fragen der Talente proaktiv im Netz beantwortet –, sichert sich den entscheidenden Vorsprung im Bewerbermarkt.
Wartest du noch ab oder gestaltest du deinen digitalen Ruf ab heute aktiv mit? onyva unterstützt dich gerne dabei.
Bonjour, ich bin Elise und deine Sparringspartnerin für Employer Branding & Personalmarketing.
Falls du Unterstützung bei einem bestimmten Projekt suchst, buche gerne einen Kennenlerntermin.
Falls aus dem Gespräch nichts wird? Halb so wild. Dann hast du dich mal eben eine halbe Stunde lang mit einer Employer Branding Enthusiastin verquatscht.
